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Malte Riechey
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5. November 2009 Malte Riechey

DIE LINKE im Stadtrat legt Antrag zur Umbenennung der Hindenburgstraße vor

„Wir haben heute einen Antrag zur Umbenennung der Hindenburgstraße auf den Weg gebracht“ erläutert Malte Riechey, Fraktionsvorsitzender der Linken im Stadtrat. „Das Thema ist durch eine Bürgeranfrage im Rat letzten Monat wieder in die öffentliche Debatte gelangt und durch viele Leserbriefe bestärkt worden. Die Stadtverwaltung hatte eine öffentliche Kritik als Bedingung für eine Umbenennung gefordert. Wir meinen, die Zeit ist reif, sich der Debatte im Rat und den Fachausschüssen zu stellen. Die geforderten Voraussetzungen sind gegeben. Wir möchten keinen bestimmten Namen durchsetzen, sondern gemeinsam im Kulturausschuss unter Einbeziehung von Anwohnervorschlägen, einen geeigneten Name suchen. Dabei ist insbesondere eine Rückbenennung in den ursprünglichen Namen „Gartenstraße“ zu bedenken“ so Riechey weiter. 

„Hindenburg war kein Lupenreiner Demokrat, wie er bisweilen dargestellt wird, sondern er war ein eingefleischter Monarchist, Gesinnungsfreund von SA und SS und im 1. Weltkrieg mit schwerer Schuld beladen. Er hatte Hitler am 30.1.1933 zum Reichskanzler ernannt, den Reichstag aufgelöst und mit dem Ermächtigungsgesetz die Weimarer Verfassung außer Kraft gesetzt. Die Opposition hatte vor der Wahl mit dem Slogan „Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler. Wer Hitler wählt, der wählt den Krieg" klar vor ihm gewarnt“ erklärt Riechey.

Der VVN-BdA hat in einer Broschüre zum Thema, die Geschichte der Straße recherchiert: Darin heißt es u.a.: "Lüneburg ehrt Hindenburg, Hitler und das Andenken Horst Wessels" musste man am 8.4.1933 im Lüneburgschen Anzeiger lesen. Diese Straßenumbenennung war der Dank der Lüneburger Nazis und deren Mitläufer dafür, dass Hindenburg auf Drängen führender Kreise der Hochfinanz, Großindustrie und des Junkertums Hitler zum Reichskanzler gemacht hatte. Nach dem zweiten Weltkrieg verschwand dieser Straßenname als Relikt der faschistischen Vergangenheit wieder aus dem Stadtbild Lüneburgs. Am 3.4.1947 wurde die Hindenburgstraße wieder in Gartenstraße umbenannt und die Adolf-Hitler-Straße in Lindenstraße. Im Rat der Stadt allerdings konnte der "Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten" und die CDU gemeinsam mit der Deutschen Partei und Stimmen der SPD die Tradition der Nazis aus dem Jahre 1933 aufgreifen und die Rückbenennung der Gartenstraße in Hindenburgstraße durchsetzen. Da die Zeit der antifaschistischen und antimilitaristischen Gesetzgebung der Alliierten vorbei sei, so argumentierten Bürgermeister Oskar Heideborn und Ratsherr Gerhard Prott im Rat der Stadt im Dezember 1952, könne wieder der Rückgriff auf den "Feldmarschall, Ostpreußenbefreier und größten Deutschen" gewagt werden.

„Die Ratsmehrheit entschied sich nach Kriegsende tatsächlich wieder für die Rückbenennung in Hindenburgstraße. Dies ist ein besonderer Skandal in der Lüneburger Nachkriegsgeschichte, auch im Vergleich zu anderen Städten mit einer noch aus dem Faschismus stammenden Hindenburgstraße. In Lüneburg heißt sie nicht immer noch, sondern schon wieder so“ fasst Riechey zusammen. „Wir hoffen auf eine breite Mehrheit“.