Der Afghanistan-Experte Dr. Reinhard Erös hielt am 14.04.2010 einen spannenden Vortrag im gut gefüllten Forum Gymnasium Oedeme. Beeindruckend, dass Erös Organisation „Kinderhilfe Afghanistan“ aus privaten Spendengeldern Schulen, Waisenhäuser und Krankenstationen im gefährlichen Osten Afghanistans baut-dort wo die Paschtunen leben, das Volk, aus dem sich die Taliban rekrutieren.
Erös: „Wenn Dorfälteste sagen: Bau uns auch eine Schule, dann sage ich: Habt ihr mit den Taliban gesprochen. Holt die her, ohne die bauen wir nicht.“ So verhandelt er also mit Taliban, entsprechend seines Buchtitels: „Tee mit dem Teufel“.
Der ehemalige Oberstabsarzt der Bundeswehr gab eine Geschichtsstunde über den 30 jährigen Krieg am Hindukusch. Anfang 1979 Einmarsch der UdSSR. Die Sowjets wollten aus Afghanistan eine sozialistische Republik machen. Die Mudjahedin jedoch ihre islamische überlieferte Lebensweise behalten und bekämpften die sowjetischen Truppen. Die damals mächtigste Armee der Welt wurde von den Mudjahedin/Taliban nach 10 Jahren Krieg besiegt. Die Sowjets sind 1989 abgezogen. (Laut Öres 50.000 tote Sowjets und 1 Million tote Afghanen)
Dr. Erös ließ sich 1987 von der Bundeswehr beurlauben, hielt sich illegal in Afghanistan auf und behandelte Tausende verletzte Kämpfer und Zivilisten, gegen den Willen der sowjetischen Besatzer, erwarb sich Respekt bei religiösen Fanatikern, den Taliban. Diese Taliban wurden während der Sowjetischen Besatzung von USA unterstützt. Als jedoch die NATO in Afghanistan einmarschierte, wurden im westlichen Sprachgebrauch aus vormals „Freiheitskämpfern“ „feige mordende Terroristen“
Der offizielle Kriegsgrund der NATO, Bin Laden und Al Kaida Ausbildungslager, war für Dr. Erös halbwegs akzeptabel. Doch das war 2001 und jetzt will die Nato den Afghanen eine andere Gesellschaftsordnung (die westliche Demokratie) überstülpen. Das will die Mehrheit der Afghanen nicht und bekämpft die Eindringlinge.
„Mit dem Nato Einsatz sei sehr viel falsch gemacht worden“, so Dr. Erös. Deshalb hat er 2002 bei der Bundeswehr gekündigt. „Fast pathologisch widerstandswillig“, nennt Erös die Paschtunen/Taliban. Er knüpft damit an die Historiensaga vom unbesiegbaren Afghanistan, dem Friedhof der Supermächte, an. Seine Botschaft an die Politik:“ Euer Militäreinsatz nützt nichts, er macht alles nur noch schlimmer. Jeder Kampftag bringt mehr tote Soldaten und Zivilisten.“Somit tritt er für den Abzug der Bundeswehr ein. „Schlimmer wie jetzt, kann es nach dem Abzug nicht werden.“
Beeindruckend der Diskussionsbeitrag einer Zuhörerin:“Ich bin Ärztin bei der Bundeswehr, muss jeden Tag Soldaten zwecks Afghanistantauglichkeit untersuchen. Viele Soldaten haben Angst vor diesem Einsatz. Wenn ich das bemerke, versuche ich “ nicht tauglich“ zu schreiben. Ich bin für den sofortigen Abzug der Bundeswehr.“