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Markus Graff

Antrag auf Grundschule-Benennung abgelehnt

Wolfgang Mirosch kam im Alter von sieben Monaten zu seinen Pflegeeltern nach Adendorf. Wolfgang Mirosch wurde, knapp ein Jahr nach seiner Einschulung im August 1942, nach Ausschwitz deportiert.

Dort besuchte er die Grundschule. Wäre nicht etwas menschenverachtendes geschehen, so hätte Wolfgang Mirosch wahrscheinlich eine Ausbildung absolviert, geheiratet, Kinder bekommen und vielleicht würde er heute oder seine Kinder oder seine Enkel hier dieser Sitzung beiwohnen.

Sie sind nicht da. Sie alle sind nicht da, weil Wolfgang Mirosch knapp ein Jahr nach seiner Einschulung im August 1942 nach Ausschwitz deportiert wurde. Dort ist er kurz vor seinem achten Geburtstag verhungert. Genau wie seine Geschwister und seine Mutter.

Wolfgang Mirosch war nicht berühmt. Er hat anders als Anne Frank, kein Tagebuch geführt. Er war ein kleiner Junge der fast sein ganzes Leben in Adendorf verbracht hat. Unter uns und er wurde ermordet.

Es gibt nun glücklicherweise seit einigen Jahren Gedenktafeln und Stolpersteine an der Grundschule Dorfstraße. Den Initiatorinnen und Initiatoren möchte ich hier noch einmal ausdrücklich danken. Gedenktafeln sollen u.a. verhindern, dass wir bestimmte Ereignisse vergessen. Aus den Augen aus dem Sinn.

Offensichtlich gibt es in Adendorf aber auch Menschen, die gerne vergessen, die gerne verdrängen, die die Terrorzeit der Nationalsozialisten als „Fliegenschiss der Geschichte“ bezeichnen. Während der Terrorzeit sind Millionen Menschen ermordet worden. Ermordet, weil sie nicht ins Weltbild der Nazis passten, Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle und Behinderte (dieses ist keine abschließende Aufzählung. Alles Fliegenschiss.

Es gibt in Adendorf auch heute noch Fremdenfeindlichkeit. Immer wieder taucht sie auf. In Adendorf brannte am 17.012.1990 im Eichkamp 6 eines der ersten geplanten Asylunterkünfte in Adendorf. Der Bürgerverein gründete sich, weil zentral an einer Stelle mehrere Asylunterkünfte in Adendorf gebaut wurden. Die AfD holte bei der letzten Europawahl in Adendorf fast 8 Prozent. Der braune Sumpf ist da und wird aktiv.

Im November 2018 wurden die Gedenktafeln an der Grundschule entwendet. Die Gemeinde hat reagiert und die Tafeln ersetzt. 

Am 26.11.2018 habe ich dann beantragt – quasi als Antwort auf diese Ungeheuerlichkeit  - die Grundschule nach Wolfgang Mirosch zu benennen. Dies sollte im Fachausschuss geschehen, denn für solch einen Vorgang gibt es Vorschriften die eingehalten werden müssen. 

Der Antrag kam nicht in den Fachausschuss, sondern wurde während meines Urlaubs im nichtöffentlichen Verwaltungsausschuss am 07.01.2019 abschließend behandelt und abgelehnt. So sollte der Antrag still und leise verschwinden. Falsch gehofft

In der Nacht vom 02.03 auf den 03.03.2019 wurden erneut Gedenktafeln zerstört und rechtsradikale Parolen gesprüht. Die Gemeinde hat reagiert und die Tafeln ersetzt und die politischen Parteien haben im Nachhinein die Taten verurteilt.

Meine  Damen und Herren, wir dürfen nicht immer nur reagieren. Wir müssen agieren und nichts wäre für den braunen Sumpf schlimmer, als mit diesen Aktionen genau das Gegenteil zu erreichen. Statt unsere Erinnerungskultur zu vernichten, passiert das Gegenteil. Die Grundschule wird nach Wolfgang Mirosch benannt. Auf jedem Brief der Grundschule wird der Name Wolfgang Mirosch stehen. Die Schülerinnen und Schüler erfahren, was sich auch in Adendorf abgespielt hat. Es gibt viele Anne Frank Grundschulen in Deutschland. Die Behauptung, Grundschüler könnten mit den Geschehnissen nicht umgehen greift hier nicht. Grundschüler wissen sehr genau was richtig und falsch ist. Wolfgang Mirosch besuchte die Grundschule in Adendorf. Daher gehört dieser Name auch zur Grundschule.

In Deutschland gibt es noch ca. 100 Schulen, die nach NSDAP Mitgliedern benannt sind (Zeit online 13.02.2009). Dies können wir leider nicht ändern, wir können aber einem Adendorfer Opfer des Nationalsozialismus unsere Referenz erweisen und die Grundschule nach Wolfgang Mirosch benennen. Zeigen sie dem braunen Sumpf, dass Adendorf sich nicht seiner Erinnerungskultur berauben lässt.