Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

Markus Graff Ratsherr

Bonnestraße ist Geschichte

Landeszeitung

Der Adendorfer Rat spricht sich mit großer Mehrheit gegen eine „Umwidmung“ aus und beschließt die Umbenennung

Landeszeitung, 07.12.20

von Von Ingo Petersen

Adendorf. Am Ende war das Ergebnis eindeutig: 19 Mitglieder des Adendorfer Gemeinderats stimmten dafür, sechs waren dagegen. Nach wochenlangen Diskussionen steht damit fest, dass die Bonnestraße, gelegen im Zentrum der Gemeinde, umbenannt wird.

Anfang der 1970er-Jahre war die Straße, in der 94 Adendorferinnen und Adendorf leben, zudem 15 Gewerbetreibende ansässig sind, nach Georg Bonne benannt worden. Der hatte sich in den 1920er-Jahren um die Schaffung erschwinglicher Siedlungshäuser im Ort verdient gemacht. Ende August stellte dann die Gruppe ABAE/Die Linke den Antrag, die Straße umzubenennen.

Hintergrund des Antrags war „eine wissenschaftliche Untersuchung zur NS-Belastung von Straßennamen, erstellt im Auftrag des Staatsarchivs Hamburg“, heißt es im Antrag der Gruppe. Und weiter heißt es dort unter anderem: „In seinen Publikationen aus den 1930er- und 1940er-Jahren transportierte Bonne nationalsozialistische, rassistische und antisemitische Ideologieelemente.“ Markus Graff (ABAE/Die Linke): „Wir möchten keine Straße in Adendorf, die nach einem Nazi benannt ist.“

Zustimmung gab es von der Gruppe SPD/Grüne, für die Rolf-Werner Wagner in der Ratssitzung erklärte: „Die ‚Würdigung‘ von Bonnes Einsatz im Siedlungsbau und anderen Gebieten verblasst in der Abwägung zu seinen unmenschlichen, diskriminierenden, politischen persönlichen Einstellungen.“

Gegen eine „Umbenennung“, statt dessen eine „Umwidmung“, setzte sich die Gruppe CDU/FDP ein. „Wir möchten uns an den Interessen der Anwohner orientieren“, erklärte der Gruppenvorsitzende Gunther von Mirbach. Die Idee der Gruppe: Zwar sei die Straße nach Georg Bonne benannt, weil der Vorname aber auf dem Straßenschild nicht genannt werde, solle die Straße einer anderen Persönlichkeit namens Bonne gewidmet werden – dem israelischen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Alfred Abraham Bonne.

„Lassen Sie uns über den Tellerrand blicken“, so von Mirbach, der gleich mehrere Beispiele für Umbenennungen gefunden hatte. So wurde die „Nachtigalstraße“ in Hannover, ursprünglich nach dem Kolonialisten Gustav Nachtigal benannt, 2010 dem Theologen und Volksmärchenforscher Johann Christoph Nachtigal gewidmet. „Und das im sozialdemokratischen Hannover“, sagte von Mirbach.

Einen Antrag von Hans-Detlef Jacobi (Gruppe CDU/FDP), über Umbenennung oder Umwidmung geheim abzustimmen lehnten 19 Ratsmitglieder ab (sechs Ja-Stimmen), in offener Abstimmung wurde schließlich die Umbenennung beschlossen.Der Antrag der Gruppe CDU/FDP auf Umwidmung der Straße wurde anschließend abgelehnt (sechs Ja-Stimmen, 18 Nein-Stimmen, eine Enthaltung).

Für die Gruppe SPD/Grüne erklärte Rolf-Werner Wagner: „Bei einer Neubenennung der Straße im nächsten Frühjahr wünscht sich die SPD-/Grüne-Gruppe eine Einbeziehung der Anwohner. Außerdem vertreten wir den Standpunkt, dass sich die Gemeinde an den entstehenden privaten und gewerblichen Kosten beteiligt.“