Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

DIE LINKE. Lüneburg

Bürgerinitiative Pro-Bahnreaktivierung in Amelinghausen

Ein ungeplantes, aber die Initiatoren erfreuendes Resultat ergab eine Veranstaltung der Partei Die Linke. in Amelinghausen: Aus den Besuchern formierte sich spontan eine Bürgerinitiative, die die Reaktivierung des Personenzugverkehrs für die Strecke Lüneburg – Amelinghausen aktiv vorantreiben will. Als Referenten stellten zuvor Prof. Dr. Peter Pez (Leuphana Universität), Sebastian Schülke (Osthannoversche Eisenbahn) und Hans Dierken (Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg) die Streckenbedingungen und Vorteile einer Reaktivierung für Schüler, Berufstätige, Touristen und sogar Wohnungssuchende dar.

Prof. Pez begann den Reigen auf Basis seiner Reisezeitstudien:

„Die Bahn ist schneller, bietet deutlich mehr und bequemere Sitzplätze, mehr Raum für Gepäck und Fahrräder. Sie ist nicht stauanfällig  und der Anschluss Bahn-Bahn ist leicht zu gewährleisten, während bei Bus-Zug häufig nur noch ein Sichtanschluss – der Rücklichter – besteht.“

Pez erweiterte aber die Perspektive noch, indem er aufzeigte, dass die Haltepunkte reaktivierter Bahnstrecken nach Bleckede und Amelinghausen sowie einer schnelleren und taktverdichteten Wendlandbahn Neubauflächen für die Siedlungsentwicklung böten.

Pez: „Der Wohnungsmarkt in Lüneburg und seinen Vorortgemeinden ist seit langem angespannt, Miet- und Kaufpreise explodieren, gleichzeitig sind die Baulandreserven fast erschöpft oder die Bebauung von Grün- und Freiflächen wird von den jetzigen Bewohnern nicht hingenommen. Deshalb ist ein Umschwenken auf eine punktuelle Außenentwicklung auf attraktiven ÖPNV-Achsen nötig, diese Option bietet nur der Schienenverkehr.“  

Nach seiner Ansicht würden aber nicht nur Lüneburg und seine Vororte profitieren, sondern auch der ländliche Raum. Er verwies auf die Bevölkerungsprognose des Statistischen Bundesamtes, die aufzeigt, dass die Bevölkerung Deutschlands bis 2060 selbst bei einer Nettozuwanderung von 200.000 Menschen pro Jahr von 82 auf 73 Mio. abnehmen wird.

Pez: „Da Zuwanderer berufsbedingt die Städte oder Orte mit gutem Pendleranschluss bevorzugen, wird dies eine Entleerung im ländlichen Raum nach sich ziehen. Überalterung und Dörfersterben sind jedoch an Siedlungsachsen mit gutem ÖPNV-Anschluss vermeidbar. Die Lüneburger Region täte gut daran, diese Achsen jetzt zu entwickeln. Einwohnerzuwächse an Schienenstrecken stärken dann auch die Nahversorgung im ländlichen Raum und kommen dem touristischen Ziel- und Ausflugsverkehr zugute – das rechnet sich auch in wirtschaftlich!“

Sebastian Schülke ergänzte die Ausführungen aus OHE-Sicht und verwies auf das Wiedererstarken des Güterverkehrs durch einen Autoteileproduzenten in Soltau, der Container zum Hamburger Hafen über die Bahnstrecke via Lüneburg fahren lässt.

„Das sei im Gegensatz zum LKW terminverlässlich“, so Schülke,

trat aber auch gleich Befürchtungen eines stark zunehmenden überregionalen Güterzugverkehrs entgegen, denn für die Güterströme aus dem Hamburger oder Bremer Hafen wäre ein Weg via Soltau distanz- und zeitbedingt ein unvertretbarer Umweg. Realistisch sei nur Regionsgüterverkehr, der aber durch Bundeszuschüsse bei der Gleissanierung auch wichtig für den Personenverkehr sei.

Schülke: „Dadurch sind zusätzliche Kosten einer Reaktivierung des Personenverkehrs viel geringer mit der Folge, dass ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von deutlich über 1 zu erreichen ist.“

Auch die Strecke nach Bleckede beurteilte er in dieser Hinsicht positiv.

Den Schlusspunkt setzte Hans Dierken. Er führte aus, welche Bedeutung die Bleckeder Kleinbahn für die Sicherung des Streckenerhalts gehabt hat. Mehr als touristischen Gelegenheitsverkehr könnten die Verkehrsfreunde Lüneburg allerdings nicht tragen, auf Dauer müssten Streckenunterhalt und Zugbetrieb professionalisiert werden. Die 25 Zuhörer, darunter zwei Landratskandidaten und der stellvertretende Samtgemeindebürgermeister, zugleich Landtagsabgeordneter, nutzten intensiv die Gelegenheit zur Diskussion. Der Tenor war dabei einhellig positiv, die Reaktivierung der Schiene sei längst überfällig, die jetzige Situation des ÖPNV für Schüler, Berufspendler und auch Touristen dringend verbesserungsbedürftig. Diese Eindrücke hatten sich auch schon bei den vorangegangenen Veranstaltungen gezeigt, denn DIE LINKE.  organisierte diese seit Oktober 2018 auch schon in Bleckede, Scharnebeck, Embsen und Bispingen. Neu war jedoch, dass sich aus der Versammlung heraus eine Bürgerinitiative formierte, die nun die Reaktivierung des Bahnverkehrs fordert – ganz im Sinne der Referenten, die betonten, dass Politik sich vor allem dann regt, wenn Druck von der Basis aufgebaut wird. Wer in der Initiative mitarbeiten will, kann sich melden bei: Kathrin Otte, kathrin.otte@gmail.com.