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Bild: privat

Thorben Peters

Bürgermeister Scharf bleibt – die bisherige Erinnerungskultur ist abgewählt

Am 1. Februar 2018 kam es von Seiten der LINKEN Fraktion im Lüneburger Stadtrat zum Abwahlantrag des Lüneburger Bürgermeisters Dr. Scharf (CDU). Dieser folgte aufgrund der von Dr. Scharf geäußerten geschichtsrelativierenden Aussagen gegenüber den Verbrechen der Wehrmacht, sowie der Diskreditierung von Opferverbänden und engagierten Antifaschist_innen. Mit einer knappen Abstimmung von 17 zu 20 Stimmen, kam es unter dem Jubel von zum Teil rechtsextremen Reichsbürgern, Rechtspopulisten, Faschisten und ähnlichen Anhängern einer längst vergangenen Zeit, zur Nichtabwahl des Bürgermeisters. Trotz dieses faden Beigeschmacks, bleibt eine positive Bilanz.

Rückblick: Seit vielen Jahren polarisiert sich die Meinung über den Gedenkstein der 110. Infanteriedivision in Lüneburg. Ehrt dieser Stein doch eine Division, welche nachweislich an Massenermordungen von Zivilist_innen in Weißrussland beteiligt war. Seit über einem Jahr, wehrt sich verstärkt ein Bündnis aus Wissenschaft, Studierenden, Opferverbänden, LINKEN und weiteren Engagierten gegen die Heroisierung dieser Kriegsverbrecher. Dies scheuchte auch so manche Rechte auf. Am 2. Januar fühlte sich der faschistische Youtube-Blogger „Volkslehrer“ dazu veranlasst, aus Berlin anzureisen und diese Auseinandersetzung zum Thema zu machen. Er traf am Gedenkstein den stellv. Bürgermeister Dr. Scharf, mit welchem er sich spontan gut verstand und mit welchem er, den alten und längst wiederlegten Mythos, der ach so sauberen Wehrmacht, aufbackte. Zudem romantisierte er die Zwangsarbeit im 2. Weltkrieg und zog mit großer Abneigung über all jene her, welche sich dafür einsetzten, dass den Opfern aus dem 2. Weltkrieg gedacht wird, um vor Krieg und Faschismus zu mahnen. Es begann eine große und wochenlange Diskussion in Zeitungen, Verbänden, Parteien und auf der Straße über die Zukunft der Lüneburger Erinnerungskultur und über die Frage, ob ein solcher Bürgermeister eine weltoffene Stadt wie Lüneburg weiter vertreten dürfe.

Bis zur besagten Ratssitzung dauerte es, bis Dr. Scharf sich für seine Äußerungen entschuldigte und auf Distanz zu dem „Volkslehrer“ ging. In dieser Zeit lies er sich so über Wochen zur Gallionsfigur aller Sympathisant_innen des Deutschen Reichs machen, welche seine Aussagen bereitwillig aufgriffen. Dagegen gelang es in der breit geführten Debatte, viele Menschen für eine Mahnende Erinnerungskultur zu begeistern und die allermeisten Parteien zu der Einsicht zu bewegen, dass man niemals aufhören darf aus der Geschichte zu lernen und der Gedenkstein der 110. Infanteriedivision in seiner jetzigen Form so keine Zukunft hat. Dem Antrag auf Abwahl folgte ein weiterer Antrag der LINKEN auf Einrichtung eines Forums Gedenkkultur, welcher unter großer Beteiligung von Wissenschaft, Opferverbänden und weiteren Teilen der Bevölkerung die Erinnerungskultur in Lüneburg neu zum Thema machen soll. Dieser wurde einstimmig und mit großer Befürwortung in den Kulturausschuss der Stadt überwiesen.

Den Jubel der Rechtsextremen kann man daher nur als verzweifeltes Aufbäumen werten, gegenüber einer sich wandelnden Erinnerungskultur, weg von einer Heroisierung der Täter, hin zu einer Mahnung vor Krieg und Faschismus. Auch wenn, vermutlich wegen der Borniertheit der CDU und der Mutlosigkeit der SPD, die Abwahl verhindert wurde, den geäußerten Inhalten Dr. Scharfs wurde öffentlich eine deutliche Absage erteilt. So wird er sich nicht noch einmal äußern können. Zudem hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass eine Erinnerungskultur, welche zum großen Teilen noch vom dem Muff der Adenauerzeit verstaubt ist, auf den Müllhaufen der Geschichte gehört. Diese Erkenntnis wartet noch auf ihre Umsetzung und wir werden weiter dafür kämpfen, dass dieser Erkenntnis auch Taten folgen. 

Thorben Peters
Mitglied im Kreisvorstand DIE LINKE Lüneburg