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Kai Warneke

Die Pflege (kammer ) Weichspülaktion mit Dr. Reimanns Weichspüler

Ein Erlebnisbericht unseres Genossen Kai Warneke: Wie der oder die eine Pflegekraft bzw. Bürger*in in Niedersachsen mitbekommen hat, tourt Frau Reimann durch Niedersachsen - um mit den Expert*innen der Pflege ins Gespräch zu kommen. Also uns Pflegefachkräften. Ein Traum von Flauschigkeit wird wahr!

Am Mittwoch (10.04.2019) lud die SPD die Pflegekräfte nach Adendorf ins „Castanea Resort“. Dort sollten wir Expert*innen zu Wort kommen, um zu erarbeiten was wir für eine „Gute Pflege“ brauchen. Es waren 100 Plätze vorgesehen. Ich, wie auch andere Pflegekräfte, machten sich auf dem Weg. Einige schon sehr früh, da ja zu erwarten war das man keinen Platz mehr bekommt und um vor Ort ihre Ablehnung gegen eine Zwangskammer zu demonstrieren. Ich traf ein paar  Minuten später dort ein und hatte noch das große Glück einen von 50 oder 60 freien Plätzen zu erwischen. Es waren fünf große Runde Tische belegt an denen sich rund 25 interessierte Pflegekräfte in diesem Falle hauptsächlich Kammergegner - wie mir zugetragen wurde- saßen. Kammervorstand Frau Gleis, Frau Dr. Reimann und noch zwei andere SPD Politiker wie Frau Schröder Ehlers und der Landratskandidat der SPD Herr Meyer tummelten sich ebenfalls dazwischen.

Aufwärmgymnastik für die Pflege

Auf den Tischen waren große Eckige packpapierähnliche Bögen ausgelegt und es gab verschiedenfarbige Filzstifte. Gerade zur rechten Zeit, in dieser illustren Runde angekommen, wo 15 Prozent Politiker*innen und Kammervertreter*innen saßen, war ich mittendrin im „ Warmup“. Der Moderator war gerade dabei die Zuhörer zum Aufstehen und wieder hinsetzen in unterschiedlichen Intervallen zu bewegen. Er machte es sehr geschickt. Immer wieder durften unterschiedliche Grüppchen nach Anweisung z.B. wer ist  ambulant, wer ist stationär, wer kommt aus Lüneburg usw., aufstehen. Ich blieb sitzen, da ich es nicht für sinnvoll hielt dieses „nette“ Spiel mitzumachen. Spielverderber eben der ich bin. Hierbei sei angemerkt: die Frage nach Kammergegner*innen, Kammerbefürworter*innen oder sogar Kammervertreter*innen kam nicht. Ein Schelm, wer böses denkt. Wenigstens waren einige der Kammergegner*innen entsprechend ersichtlich gekleidet, so war wenigstens das Thema auf bzw. am Tisch.

Nach Einweisung in die Regeln, dieser so harmonischen Runde, durften wir untereinander diskutieren und sogar die „Tisch-Decke“ bemalen. Darauf sollten unsere Resultate dokumentiert und später durch den Veranstalter ausgewertet werden. Wer wollte durfte auch seine E-Mail Adresse bekannt geben. Damit er oder sie sich lange noch, während sie oder er immer noch in seiner Überarbeitung und Frustration in seinem Pflegeberuf verharrt, an diesen wunderbaren Augenblick der Beteiligung an Lösungen des seit über dreißig Jahren andauernden Pflegenotstandes, erfreuen kann.

Ein Traum zerplatzte

Zu meiner Überraschung setzte sich gleich zu Anfang Frau Dr.Reimann neben mich um mit uns zu diskutieren. Da ich mich durchaus konstruktiv beteiligen wollte, bin ja nicht immer Spielverderber und durchaus gut erzogen, konfrontierte ich sie gleich mit 6 Milliarden Euro mehr für die personelle Ausstattung mit Fachkräften in Deutschland. Dieses sollte meiner Meinung nach zumindest im Haushalt der Regierung eingestellt werden, um dann zu schauen wie es an Ausbildungsstätten, Gehalt, höhere Renten für uns als Pflegepersonal, niedrigere Wochen und Lebensarbeitszeit usw. eingesetzt werden kann. Für alle Forderungen, die im Laufe des Gespräches erst von mir und dann von anderen Diskutanten geäußert wurden, war Frau Reimann erstaunlicherweise sehr empfänglich. Sie betonte immer wieder, das die SPD jetzt verstanden hat und auch  schon jetzt dabei sei dieses in die Bundespolitik zu tragen - es war unglaublich: Mein Traum wurde wahr. 

Nur sehr schade, dass ich  zu lange in diesem Berufe unterwegs bin. Da wird nicht mehr geträumt, da wird hart gearbeitet bis nichts mehr geht. Da wird um die Existenz gekämpft. Es wird geschaut wie mit dem Salär als Fachkraft Wohnung, Haus zur Miete oder in der Finanzierung, Lebensunterhalt, Zusatzrenten, Versicherungen, ein Auto um zur Arbeit zu kommen, Kinder, deren Schulmittel usw. - ach ja, die Kammergebühren – hätte ich beinahe vergessen, zu bezahlen sind.

Der Traum zerplatzte. Stattdessen wurde mein Misstrauen, welches ich mir seit Jahrzehnten in Auseinandersetzungen die ich mit Landes, Kommunal und Bundespolitikern erwerben durfte, geweckt. Ich wurde noch misstrauischer, nachdem sich das Kammervorstandsmitglied Frau Gleis mutig  für die Pflege ins Zeug warf und Frau Reimann energisch darum bat doch den neu erdachten Personalschlüssel zu überdenken. Es könnte ja nicht sein, das eine Nachtwache nur mit Hilfskräften und Auszubildenden flankiert auf hundert Patienten gedacht sei. Frau Dr. Reimann war auch hier sehr empfänglich für diese Rüge durch eines ihrer Kammervorstände. Sie war auch hier sehr bereit diese Selbstverständlichkeit mit in ihren Landtag zu nehmen.

Die Pflegekammer über alles 

Zum Schluss übergab, nachdem alle ihre Ergebnisse vorgetragen haben, der „Animateur“ dieser von vorne bis hinten durchdachten Veranstaltung Frau Dr. Reimann das Wort. Diese fasste die doch so gelungene Veranstaltung zusammen und bedankte sich artig bei der mitwirkenden Pflege. Sie schien geläutert und wahrlich: Ich fing wieder an zu träumen, versprach sie sich für eine bessere Pflege einzusetzen. Der letzte Satz, aber der Schnitt in mein Gehirn und nicht nur in meines, so schien mir. Sie äußerte tatsächlich sinngemäß, dass die Kammer bleibt. Bei aller Sympathie für die Gegner*innen, die Kammer ist die einzige Vertretung die uns weiter hilft. Sie als Ver.di Mitglied hat festgestellt, dass nur eine Gewerkschaft nicht reichen würde. Eine Kammer sei nur durch Zwangsmitglieder stark genug etwas für die Pflege zu tun. Sie setze auf die Evaluation im nächsten Jahr. Anmerkung von mir – 2020, ein Jahr vor der nächsten Bundestagswahl. Danach wird man weiter sehen. Hier also kam die Kammer aus dem Sack. Mir wurde schlagartig klar, dass hier versucht wird unseren Widerstand einzulullen. Um sich durch Wahlperioden zu retten, denn auch die SPD hat mit der Pflege eines gemein: Sie liegt am Boden. Und um vielleicht auch noch die Pflege vorher schlaffend am Boden, weichgespült und wollig mit einer Evaluation in Ihren Träumen zu überraschen. Eine Evaluation, die keiner braucht. Denn die Umfrage hatte eigentlich schon ergeben das 47 Prozent gegen und nur 42 Prozent für eine Kammer sind. Eine Evaluation, die am Ende die Meinung wiedergibt, die der Auftraggeber haben möchte. Oder zur Not die Auswertung dementsprechend uminterpretiert wird bis das Ergebnis „stimmt“.

Mein Resümee: Seht zu, dass ihr nicht zu sehr dem Weichspüler erlegen seid. Stattdessen müssen wir alle in der Pflege klar und deutlich machen: „Die Kammer in der jetzigen Form  kommt weg.“ Ansonsten werden wir alle solange weiter machen bis Wahlkampf ist und dann werden WIR es zum Wahlkampfthema machen.

Ich kann euch sagen, dass ist das Letzte was eine Bundes- oder Landes SPD haben will. Bleibt in eurem Widerstand aufrecht; geht in Gruppen oder Einzeln in die Parteibüros der SPD und der Grünen und natürlich der Opposition und macht klar und deutlich die Kammer muss weg - sonst gehen wir!