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Markus Graff, Ratsherr

Geistreicher Vorschlag +++Leserbrief+++

3.11.2020 "Streit um Straße in Adendorf“ - Artikel: Landeszeitung vom 23.10.2020

Der Adendorfer Gruppenvorsitzende der CDU/FDP im Gemeinderat, Herr Gunther von Mirbach, stellt den Antrag, den dortigen Straßennamen „Bonnestraße“ (benannt nach Georg Bonne) auszutauschen gegen einen anderen Namensgeber und sie in „Bonnestraße“ umzubenennen, nach einem respektablen gleichnamigen Professor mit Vornamen Alfred. Der maßgebliche (Georg) Bonne sei nämlich, wie die LZ berichtet, ein Anhänger des Hitlerregimes gewesen, was erst jetzt bekannt geworden sei. Wer sollte in Adendorf auch wissen, dass Georg Bonne sein bekanntes „Werk“ mit dem Titel „Der ewige Jude. Eine Menschheitstragödie“ bereits 1942 veröffentlichte.

Nach diesem geistreichen Vorschlag des Herrn von Mirbach bliebe der Straßenname erhalten, bezöge sich aber auf eine andere Person. Damit könnte diese Idee als kostengünstige Variante einer „NS-Entsorgung light“ sogar Vorbildcharakter haben für ähnliche Gelegenheiten. In Hamburg etwa hätte man die Hindenburgstraße am Stadtpark, zunächst benannt nach dem Reichspräsidenten, nicht umwidmen müssen in Otto-Wels-Straße, sondern hätte sie einfach nach einem Nachnamensvetter des Paul umbenennen können. Was in Hamburg nicht bedacht wurde, käme doch für Lüneburg in Frage, oder?

Schade nur, dass diese geniale Idee nicht schon zu früheren Zeiten, 1945 etwa, bekannt wurde. Die Schlageterstraße und den Telschow-Wall z.B. hätten wir in Lüneburg beibehalten können. Irgendeine angesehene Persönlichkeit gleichen Nachnamens hätte sich finden lassen und den Anwohnern wären die ganzen Umstellungs-Scherereien erspart geblieben.

Der Antrag von CDU und FDP, den Straßennamen auf diese Art umzuwidmen, bietet noch einen weiteren Vorteil: Die Frage nach einer antifaschistischen Namensalternative wird obsolet. Der Gemeinderat muss sich also keine zusätzlichen und unnötigen Gedanken machen etwa darüber, ob es nicht auch am Ort Nazi-Widerständler/-innen oder NS-Opfer gegeben habe, die für eine Namensgebung infrage kämen.

Peter Asmussen, Lüneburg