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Kreistag: Kommentar zu den geplanten Ladesäulen für Elektroautos

Kommentar des Kreistagsabgeordneten Christoph Podstawa zu den geplanten Ladesäulen für Elektroautos: "Die Mobilitätswende muss den motorisierten Individualverkehr zurückdrängen"

Der Landkreis wächst seit Jahren. Damit scheinbar unabwendbar auch der Verkehr. Das Problem ist eher, dass die bisherigen Verkehrskonzepte allein dem Greenwashing der Politik dienen. Die geplanten Ladesäulen für Elektroautos lösen kein einziges Verkehrsproblem, bremsen eine sozial-ökologische Mobilitätswende aus und subventionieren einen ökologisch scheinheiligen Lebensstil der Oberschichten.


Konzerne und Politik träumen von einer profitablen Verkehrswende. In Ihren Versprechungen rasen Elektroautos umweltschonend und leise durch unsere Städte und Gemeinden. VW, Mercedes und Co. kündigen neue Flotten von Elektroautos an. Im vorauseilenden Gehorsam arbeitet die Politik den Wunschzettel der Konzerne ab. Nur was und wem nützen die Ladesäulen, wenn bereits ab 20:30 Uhr keine Busse mehr fahren?


Wenn wir unsere Region für alle lebenswert halten wollen, brauchen wir eine sozial, ökologisch und ökonomisch vernünftige Mobilitätswende. Eine Mobilität, die auf einen ticketfreien, flächendeckenden und modernen Nahverkehr setzt. Nur der Nahverkehr in Kombination mit Car-Sharing-Angeboten auf dem Land ermöglicht mehr Mobilität und weniger Verkehr für alle. Die Hundertausende Euros, die in dieses Projekt fließen sollen, lassen sich hier sinnvoller investieren.


Die Gesellschaft lässt sich ihre Fokussierung auf das Auto ordentlich kosten. Neubau und Betrieb von Straßen, Umweltschäden, Krankheiten und Verkehrsunfälle tauchen in den Rechnung nicht auf und lassen den motorisierten Individualverkehr günstig erscheinen. Die Zeche zahlen andere: Steuerzahler*innen, Krankenkassen, der Nahverkehr und zukünftige Generationen. Bei Diskussionen wird aber gesagt, dass wir uns den flächendeckenden Nahverkehr nicht finanzieren können. Sorry, aber es ist genau spiegelverkehrt: Wir können uns die aktuelle Verkehrspolitik nicht mehr leisten.


Im Landkreis gibt es 100 Elektroautos! Und jede Gemeinde soll nach dem Gießkannenprinzip Ladesäulen erhalten. Kosten: Bis zu 30.000 pro Ladesäule! Bei 47 Gemeinden!? Also Millionen?! Ein schlechter Scherz, oder? Die Politik subventioniert einen grünen Anstrich für die Mobilität der Oberschichten. Aber der Nahverkehr ist zu teuer? Wer kann sich schon so ein Elektroauto leisten? Die Reichen! Daran wird sich in den nächsten Jahren nichts ändern. Auch die Bundesregierung mit ihrer 4000 Euro Prämie für den Kauf von Elektroautos ist peinlich gescheitert. Die da oben brauchen dieses Geld nicht und der Mittelschicht reicht es nicht. Wieso bekommen eigentlich Menschen die Nahverkehr nutzen und aufs Auto verzichten keine Prämie?


Die Mobilitätswende muss den motorisierten Individualverkehr zurückdrängen. Denn es ist egal, welchen Motor die Autos haben, die unsere Städte und Straßen verstopfen. Es ist Zeit, dass wir uns die Stadt zurückholen. Ich wünsche mir eine saubere Stadt in der Fußgänger*innen, Radfahrer*innen und der Nahverkehr Vorfahrt genießen.


Und zur Ökologie: Der Klimawandel ist jetzt! Der Strommix Deutschlands ermöglicht gar keine emissionsfreie Fahrt. Alles wissenschaftlich nachgewiesen. Und wer den Ausbau von Straßen stoppen möchte, muss auch das Elektroauto zugunsten von Bus, Bahn und Rad zurückdrängen! Pro Elektroauto bedeutet auch Pro A39! Nein, das Elektroauto können wir nur ablehnen!


Irritierend ist nur, dass sich die als ökologisch bezeichnende Partei solch einen Antrag einbringt. Es ist das Ergebnis eines längeren Prozesses. Bei Parteitag sprechen dort nicht mehr Initiativen, sondern Vorstände von Autokonzernen. Ökologischen Aspekte von Mobilität werden dabei völlig verdreht und die sozialen Komponenten tauchen gar nicht mehr auf!


Einen Vorteil hat das alles vielleicht doch. Studierende könnten die Folgen von Parteispenden der (Auto-) Konzerne auf Parteipolitik untersuchen. Ich glaube wir kämen zu spannenden Ergebnissen.