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Christoph Podstawa

Soziale Kontakte am Stint verboten - Ein Kommentar des Ratsherrn Christoph Podstawa

pixabay

Das Verbot sich an der Brücke am Stint zu treffen, zeigt, wie wenig die Politik die Probleme begreift und sie an der Wurzel packt. Das Problem ist die zunehmende Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes. Lüneburg braucht hingegen Platz für die Menschen.

Es ist ein Zeichen einer lebendigen Stadt und Demokratie, wenn sich Menschen draußen treffen, diskutieren und sich austauschen. Das gehört zur Demokratie und eine Stadt muss für öffentliche Räume sorgen, wo sie genau diese Treffen und diesen Austausch ermöglicht und anregt. Dafür braucht es Orte, wo Menschen ohne viel Geld, wie z.B. Jugendliche und Studierende ohne Konsumzwang zusammenkommen können.  Die Politik der letzten Jahre geht aber in die spiegelverkehrte Richtung. Immer mehr zentrumsnaher Raum wird privatisiert und unter Konsumdruck gestellt. Das Zentrum verkommt zur Einkaufsmeile. Die Brücke am Stint ist einer der letzten Räume, die sich die Menschen in der Stadt erobert bewahrt haben. Falls Das dort notwendige und sinnvolle Pandemiemaßnahmen nicht eingehalten werden können sollten, erfordert dies eine Reaktion der Verwaltung und Politik - keine Frage. Doch anstatt mit Verboten und Platzverweisen zu arbeiten, wäre es zum Beispiel sinnvoll, mobile Bänke und Tische aufzustellen. Die Menschen brauchen eine Möglichkeit, sich im Sommer zu treffen -, das können wir nicht alles in Parks auslagern.. Ein Verbot ist kontraproduktiv und bestätigt wie weltfremd und fern der Bedürfnisse der Bevölkerung die Regierenden agieren. Wo sollen die Menschen sonst hin?

Wir müssen die Frage der Raumgerechtigkeit stellen. Konsum und Autos nehmen zu viel Raum ein. Daran sind weder die Gastronomie noch die Menschen Schuld, die auf ein Auto angewiesen sind. Es ist Aufgabe der Politik, Raumgerechtigkeit zu schaffen und die unterschiedlichen Interessen auszugleichen. Zur Raumgerechtigkeit gehört es also auch die Privilegien des Autos anzugreifen, dem Auto den Raum in der Stadt zu nehmen und ihn Menschen zur Verfügung zu stellen. Raumgerechtigkeit ist also auch eine Frage von Umverteilung. Die Frage der Raumgerechtigkeit sollte Teil eines Gesamtkonzeptes sein, welches die Frage beantwortet, wie wir eine Stadt für alle schaffen. Dazu gehört zum Beispiel ein eng getakteter Nahverkehr, der den Namen auch verdient und Menschen auch in den Abendstunden den Weg in und aus der Stadt ermöglicht. Wir brauchen Plätze, die zum Zusammentreffen anregen und einladen. Erst wenn es genug Platz für die Menschen gibt, werden sie auch sinnvoll die Pandemieregeln einhalten können. Die Politik hat hier nicht nur eine weitere Chance vertan, sie reagiert blindlings mit Law & Order auf soziale Bedürfnisse. Ihr Versagen tut sie ist seit Jahren unverkennbar  – egal ob unter CDU-im Landkreis oder SPD-Führung in der Stadt.

Wir brauchen eine Stadt für alle – und keine Stadt der Verbote, des Konsumzwanges und der Autos.