Stellungnahme des Arbeitskreis Antifaschismus der Partei Die Linke gegen den Antrag der CDU zur Ehrung zweier NS-Funktionäre
Arbeitskreis Antifaschismus ruft zu Kundgebung vor Ratssitzung am 28.08.2025 auf
Für die kommende Sitzung des Rates der Hansestadt Lüneburg am 28.08.2025 findet sich auf der Tagesordnung ein Antrag der Fraktion der CDU, welchen die Partei bereits Anfang Juni 2025 einreichte und die Aufstellung einer Gedenktafel in Würdigung von Helmuth von Bülow und Alfred Sehrt fordert.
Mit der Begründung einer vermeintlich „mutige[n] Entscheidung, getroffen unter höchstem persönlichem Risiko“ der beiden Akteure, die Hansestadt Lüneburg trotz anders lautendem Befehl an die britischen Alliierten zu übergeben, bringt die CDU einen Antrag in den Rat ein, der bereits in ähnlicher Form 1997 mit Verweis auf die Mitgliedschaft von Helmuth von Bülow in der NSDAP abgelehnt wurde.
Auch im Falle des aktuellen Antrages kommt die Verwaltung der Hansestadt Lüneburg in einer Stellungnahme zu dem Fazit, dass es sich bei der dem kampflosen Überlassen der Stadt Lüneburg wohl insbesondere um eine Entscheidung handelte, „die dem traditionellen „Ehrenkodex“ deutscher und europäischer Offiziere und der aussichtslosen militärischen Lage der Wehrmacht entsprach“.
Der Arbeitskreis Antifaschismus der Partei Die Linke verurteilt das Vorgehen der CDU ausdrücklich und fordert die Fraktion auf, ihren Antrag umgehend zurückzuziehen: „Wir haben keinerlei Verständnis dafür, dass die CDU dieses Anliegen erneut in den Stadtrat einbringt! Bei den genannten Akteuren handelt es sich nicht um Repräsentanten bisher unsichtbarer oder marginalisierter Personengruppen, sondern um Personen aus der damaligen systemtragenden Elite, die sich als solche in ihren Funktionen aktiv an der NS-Herrschaft beteiligt haben.“
Die CDU verweist in ihrem Antrag selbst auf „die frühere NSDAP-Mitgliedschaft von Helmuth von Bülow“ und dass diese „einer öffentlichen Würdigung nicht unproblematisch gegenübersteht“. Umso bezeichnender ist es, dass die Partei v. Bülow und Sehrt „nicht trotz, sondern gerade wegen der Ambivalenz ihrer Biografien“ würdigen möchte.
Hierzu sagt eine Sprecherin des Arbeitskreises: „Über die Motivation dieses Antrags kann nur gemutmaßt werden, das Einbeziehen von demokratischer Zivilgesellschaft, wie wir sie aus anderen Debatten um Fragen öffentlichen Gedenkens kennen, hat nicht stattgefunden! Die verwendete Sprache ist in jedem Fall massiv irritierend – besonders in Zeiten, in denen wir eh schon die Normalisierung nationalistischer und identitätspolitischer Positionen innerhalb der etablierten, demokratischen Parteien beobachten. Besorgniserregend ist das umso mehr, als dass solche inhaltlichen Übernahmen eher explizit rechtsextremen als demokratischen Akteuren nutzen.“
Sofern es zu einer Abstimmung kommen sollte, wird die Partei Die Linke den Antrag der CDU ablehnen. Des Weiteren ruft der Arbeitskreis Antifaschismus zu einer Kundgebung gegen die Würdigung von v. Bülow und Sehrt „Ehre, wem Ehre gebührt. Keine Würdigung von Nazidienern“ vor der Sitzung des Stadtrates am 28.08.2025 um 16.30 Uhr Am Graalwall gegenüber der Ritterakademie auf.
Pressekontakt des Arbeitskreis Antifaschismus der Partei Die Linke:
Mail: gabriele.bauer@dielinke-lueneburg.de
Lüneburg, 25.08.2025

